julius klingebiel.zelle.!
19.3. – 11.10.15
Im Mittelpunkt dieser Ausstellung stand eine für die Besucher*innen begehbare Reproduktion der Zelle von Julius Klingebiel (1904–1965), einem Psychiatriepatienten, der viele Jahre seines Lebens im Landesverwahrungshaus in Göttingen verbracht hatte. Von 1951 bis 1963 bemalte Klingebiel die Wände seiner Einzelzelle mit farbigen Landschaften, Tieren, menschlichen Figuren, Wappen und Symbolen, die er mit linearen Elementen zu strukturieren versuchte. Immer wieder ergänzte und übermalte er einzelne Partien des etwa 9,25 m² großen Raumes und definierte somit auch die räumliche Begrenzung auf neue Weise. Die Malereien greifen biografische Motive und historische Themen auf. Es lässt sich erahnen, was den Künstler beschäftigte oder was er erlebte. Interessant ist, dass manche seiner Frauenbilder in ihrer Konturierung und Flächigkeit an die Spätwerke Max Beckmanns erinnern; einige Motive, wie die Heiligenfiguren neben dem Fenster, sind dem Stil byzantinischer Vorbilder nachempfunden. Möglicherweise hat Klingebiel ihm passend erscheinende Vorlagen ausgewählt und diese bei der Ausgestaltung der Wände für seine eigenen Zwecke umgewandelt. Dies ergibt eine stilistische Vielfalt dieses Raumkunstwerkes, das bis heute fasziniert und das durch die Möglichkeit, Klingebiels „Zelle“ als fotografische Rauminstallation zu begehen, auf besondere Art erlebbar gemacht wird.