liebling.! Radierkunst aus vier Jahrzehnten
20.4.2007 – 28.10.2007
Die Technik der Radierung hatte in Gugging eine lange Tradition. Bereits in den Sechzigerjahren entstanden mit Unterstützung des Künstlers Peter Pongratz erste Radierungen. Leo Navratil gab seinen Patienten Kupferplatten, um diese mit einfachem Stichel zu bearbeiten. Die Gugginger Künstler*innen waren damals noch unbekannt und niemand glaubte daran, dass ihre Arbeiten die internationale Anerkennung der Kunstkritik finden würden. Bis in die Gegenwart ist die Druckgrafik ein Medium der Gugginger Künstler*innen geblieben, das in Form einfacher, unkorrigierter Radierungen gedruckt wird. Die Einfachheit der Radiertechnik in Gugging legt oft künstlerische Aspekte frei, die auf Farbstiftzeichnungen oder Leinwänden verborgen oder verdeckt bleiben. Zudem kann diese Feinheit des Striches mit keiner anderen künstlerischen Technik erzielt werden. Wird die Radiertechnik aufgrund ihrer festen Verankerung in der Kunstgeschichte und ihrer Reproduzierbarkeit nur selten mit der Art Brut in Verbindung gebracht, so verlangt dieses Medium vom Künstler*innen jedoch oft bildnerische Lösungen, die weniger „gekünstelt“ sind als viele Musterbeispiele der sogenannten rohen Kunst. Im Rahmen der Ausstellung liebling.! im Jahr 2007 wurden 196 Arbeiten gezeigt, darunter Raritäten der Gugginger Radierkunst von Oswald Tschirtner, Johann Hauser und August Walla, aber auch unbekannte Arbeiten, die der Öffentlichkeit erstmals gezeigt wurden. Nach der Präsentation blug – vier jahrzehnte kunst aus gugging war diese umfangreiche Ausstellung von Radierungen eine – für die Art Brut ungewöhnliche – Möglichkeit, eine andere Ebene der Kunst aus Gugging kennenzulernen.