adolf wölfli. universum.!
18.9.2014 – 1.3.2015
Der Schweizer Adolf Wölfli (1864–1930) wird heute zu den bedeutenden Künstler*innen des 20. Jahrhunderts gezählt. Zu seinem 150. Geburtstag im Jahr 2014 zeigte die umfassende Retrospektive adolf wölfli. universum.! im museum gugging, wie Wölfli sich Vergangenheit und Zukunft neu erschuf: als Universum auf Papier, als visionäre Spiegelung des Ichs und als grandios verzerrte Welt in Musik, Poesie und Prosa.
1895 erstmals verfasst, erweiterte Adolf Wölfli zwischen 1908 und 1930 seine dramatische Lebensgeschichte zu einer endlosen Ich-Erfindung. Auf über 25.000 Seiten, durch Prosa und Poesie, Musik und Kompositionen, Zahlen und Zeichnungen transformierte er seine Kindheit in eine Entdeckungsreise. Seine Vergangenheit als Waise, gedemütigter Handlanger, Zuchthausinsasse und Patient der psychiatrischen Heilanstalt Waldau bei Bern verwandelte Wölfli in eine glorreiche Zukunft. Von diesem Weltentwurf, der „Skt. Adolf-Riesen-Schöpfung“, sagte der französische Surrealist André Breton, dass es sich um eines der drei oder vier wichtigsten Werke des 20. Jahrhunderts handle. Wölflis Schöpfung breitete sich im museum gugging in Zeichnung, Text, Film und Ton aus. Die „Brotkunst“ Adolf Wölflis wurde im Novomatic Salon gezeigt: Einzelblattzeichnungen, die Wölfli ab 1916 an einen wachsenden Interessentenkreis von Ärzt*innen, Krankenpfleger und Krankenschwestern und Besucher*innen verschenkt, verkauft oder gegen Zeichenutensilien eingetauscht hat.
Leihgeber war die Adolf Wölfli-Stiftung des Kunstmuseums Bern, deren Direktor Daniel Baumann der Co-Kurator der Ausstellung war. Sie umfasste 47, zum Teil großformatige Werke.