Josef Bachler
Josef Bachler
1914 – 1979Josef Bachlers Arbeiten zeichnen sich durch eine entschlossene Herangehensweise aus: Mit präzisem, klarem Strich ausgeführt, heben sich Frauengestalten, Männerfiguren oder Tiere vom weißen Blatt ab. Bei seiner klaren und kompromisslosen Gestaltung kommen keine Zweifel auf, dass an den abgebildeten Objekten - dem "Schlietzen" (Schlitten), "Sesel" (Sessel) oder "Schief" (Schiff) irgendetwas fehlen könnte. Vor den Augen der Betrachtenden entfaltet sich ein meisterhaftes Kunstwerk, das Bachler durch das Hinzufügen seiner Signatur, des Datums unddes Titels in eleganter Schreibschrift noch vervollständigt und bekräftigt.
Bachlers Gesamtwerk umfasst nur wenige, sehr fokussiert wirkende Zeichnungen, die alle nach Vorlagen entstanden sind. Leo Navratil hatte eine Sammlung von Reproduktionen klassischer Meisterwerke, die den Kunstschaffenden zur Verfügung standen. Gelegentlich kamen auch Fotos aus Illustrierten hinzu. Bachler ließ sich bei seinem Werk "Antonio Polliolo…" von Antonio del Pollaiuolos und dessen Held*innendarstellung "Herkules und Deianeira" inspirieren. Aus dem Original griff Bachler jenen Teil heraus, der ihn am meisten faszinierte: die Prinzessin, die gerade auf dem Pferderücken des Räubers im Galopp aus dem Bild entschwindet. Ohne das Originalwerk vor Augen zu haben, lässt sich die Vorlage für Bachlers Arbeit nicht erkennen. Wie bei seinen anderen Zeichnungen, reagierte der Künslter auch bei der Darstellung der Prinzessin in serin charakteristischen Fomensprache auf das fremde Werk. Der feste Strich unterscheidet sich stark vom eher wenig kontrastreichen Vorbild – Bachler hat das Wesentliche betont und alles Unwichtige weggelassen. Diese besondere Verdichtung verleiht seinen Zeichnungen eine intensive Ausdruckskraft, die sogar die scheinbare Theatralik der dargestellten Figuren umfasst. Da die romantische Umgebung nur Dekoration ist, hat Bachler sie völlig weggelassen. Seine präzise und sichere Linienführung weist auf seine Selbstsicherheit hin, mit der er seine Werke kreierte.