museum gugging.! 20 jahre kUNSt in einfacher Sprache
-
Das museum gugging wurde im Jahr 2006 eröffnet. Es gehört – genauso wie das „Haus der Künstler“, die galerie gugging, das atelier gugging und die „Privatstiftung – Künstler aus Gugging“ – zum art brut center gugging. Künstlerisches Arbeiten, Präsentation und das Leben in Gugging sind hier eng miteinander verbunden.
Begonnen hat die Kunst aus Gugging in der psychiatrischen Einrichtung von Maria Gugging. Diese Einrichtung wurde 1885 gegründet und 2007 aufgelöst. Heute befinden sich dort das art brut center gugging und das Forschungszentrum ISTA (Institute of Science and Technology Austria).
Ab den späten 1950er‑Jahren erkannte der Psychiater Leo Navratil, dass manche seiner Patient*innen ein großes künstlerisches Talent hatten. Er begann, die künstlerische Arbeit dieser Patient*innen gezielt zu fördern. Sie wurden unter dem Namen Gugginger Künstler*innen weltweit bekannt.
Der französische Künstler Jean Dubuffet war der Begründer von „Art Brut“. Dubuffet nannte es ungebildete Kunst aus dem Moment heraus. Eine Kunstform die frei von universitärer Bildung ist.
Das museum gugging ist eng mit der Art Brut verbunden. Dubuffet zählte die Gugginger Künstler*innen zu diesem Kunstbegriff. Die Öffentlichkeit verbindet mit Art Brut oft Menschen, die nicht zur Gesellschaft gehören oder als Außenseiter*innen gelten. Dies führt zu Stigmatisierungen. Es wird zunehmend darüber nachgedacht, ob eine Einteilung heute noch sinnvoll ist. Dennoch haben alle Diskussionen eine Gemeinsamkeit: Kunst von Menschen mit Behinderungen soll unabhängig von ihren Voraussetzungen anerkannt und nicht auf ihre Lebensgeschichte oder Diagnose reduziert werden.
Schon immer war es dem museum gugging wichtig, dass die „Gugginger Kunst“ gleichwertig mit anderen Künsten gesehen wird. Das Museum setzt ein Zeichen für Wertschätzung und Anerkennung der Kunst aus Gugging und der Künstler*innen. Das museum gugging ist hier bereits einen weiten Weg gegangen und wird diesen Weg weiterhin verfolgen.
museum gugging.! 20 jahre kUNSt
Das ist der Titel der Jubiläumsausstellung. Er bedeutet: Kunst bei uns, für euch und mit euch. Wir wollen damit sagen und zeigen, dass Inklusion im Museum für uns sehr wichtig ist. Kunst entsteht an diesem Ort und soll möglichst allen Menschen zugänglich sein. Der Austausch zwischen Besucher*innen, Künstler*innen und Mitarbeiter*innen kann und soll stattfinden und lebendig sein.
In der Ausstellung „museum gugging.! 20 jahre kUNSt“ sieht man 20 Gugginger Künstler*innen aus verschiedenen Zeiträumen. Gezeigt werden Kunstwerke von den 1960er‑Jahren bis in die Gegenwart. Wenn historische Werke auf aktuelle Arbeiten treffen, entsteht ein Dialog zwischen den Künstler*innen. So wird sichtbar, was sie verbindet und wo sich ihre Ausdrucksformen unterscheiden.
Zwei Künstler*innen stehen im Mittelpunkt der Ausstellung:
2026 wäre Johann Hauser 100 Jahre alt geworden und August Walla 90 Jahre.Die Ausstellung zeigt außerdem sechs Themen:
- den Briefwechsel zwischen Jean Dubuffet und Leo Navratil
- Literatur in Gugging von Ernst Herbeck und Edmund Mach
- die Gugginger Künstlerinnen
- die NS‑Medizinverbrechen in Gugging
- die Ausstellung Pareidolien aus dem Jahr 1970
- das „Haus der Künstler“, das sein 40‑jähriges Bestehen feiert
Im letzten Raum zeigt das Museum im Jubiläumsjahr vier wechselnde kleine Ausstellungen. Dieses Format heißt „im guggkasten.!“. Es bedeutet:
Vier Wände. Vier Wechsel. Vier Besuche.
Und viele neue Entdeckungen. -
2026 feiert das „Haus der Künstler“ 40 Jahre und das atelier gugging 25 Jahre. In diesem Ausstellungsraum stehen diese beiden Orte im Mittelpunkt. Auch heute noch findet die künstlerische Arbeit der Gugginger Künstler*innen an diesen zwei Orten statt.
„Haus der Künstler“
Der Psychiater Leo Navratil begann in den 50er Jahren Zeichnen als diagnostische Methode zu verwenden. Bei manchen Patient*innen erkannte er eine künstlerische Begabung.
1981 zogen 18 Patient*innen, die künstlerisch arbeiteten, in einen Pavillon. Navratil nannte den Pavillon „Zentrum für Kunst und Psychotherapie“. Er stand am Rand der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. 1983 kam Johann Feilacher als Assistent dazu. Er ist Psychiater und Bildhauer. Mit ihm wurden die ersten Arbeiten an der Fassadengestaltung begonnen. Die Wand- und Fassadenmalereien sind ein wichtiges Merkmal von diesem Ort.
1986 übernahm Johann Feilacher die Leitung. Aus dem „Zentrum für Kunst und Psychotherapie“ wurde das „Haus der Künstler“.
Johann Feilacher war es wichtig, die Kunst nicht im Zusammenhang mit den psychischen Voraussetzungen der Künstler*innen zu sehen. Seitdem stehen die Kunst und die Förderung selbstbestimmter Künstler*innen im Vordergrund. Johann Feilacher schaffte Strukturen dafür und organisierte internationale Ausstellungen. Gemeinsam mit Nina Katschnig gründete er 2006 das museum gugging.
2011 wurde das „Haus der Künstler“ umgebaut und bekam einen Zubau. In den letzten 20 Jahren hat sich die Gruppe der Künstler*innen im Haus verändert: Ältere Künstler*innen sind gestorben und jüngere Künstler*innen eingezogen.
Seit 2025 gibt es auch den Atelierraum „Brüt:kasten“.
Heute können 14 Künstler*innen im „Haus der Künstler“ wohnen und arbeiten. Künstlerisches Schaffen, Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Wohlbefinden stehen im Mittelpunkt.
atelier gugging
Im Gebäude neben dem „Haus der Künstler“ wurde 2001 das atelier gugging gegründet. Dort können die Gugginger Künstler*innen künstlerisch arbeiten. Aber auch neue Talente und Tagesgäste können dort frei und ohne Anleitung arbeiten. Viele internationale bekannte Künstler*innen arbeiten im atelier gugging. Zum Beispiel Leopold Strobl und Laila Bachtiar.
-
Rudolf Horaceks Bild, das einen großen Kopf mit Rumpf in schwarzer Acrylfarbe zeigt, wurde zum Symbol vom museum gugging. Er malte es im Jahr 1984. Rudolf Horacek hat sich immer mit dem Menschen beschäftigt. Dabei malt er diesen vereinfacht und konzentriert, was eine gewisse Spannung vermittelt.
Im Jahr 1978 begann Rudolf Horacek zu zeichnen.
Von Menschen malte er meistens nur den Kopf. Es sind aber keine herkömmlichen Portraits. Seine Kopfdarstellungen bestehen aus vielen verschiedenen Bildräumen. In ihnen finden sich Erinnerungen, Gedanken und Gefühle, die sehr persönlich und aus dem Leben des Künstlers sind.
Dieser persönliche Zugang zeigt sich vor allem in seinen weniger bekannten Blei- und Farbstiftzeichnungen. Rudolf Horacek zeichnete immer wieder über bereits Gemaltes.
Dabei verschwanden Elemente, während neue interessante Formen entstanden. Meistens begann er Augen, Nasen und Mund zu zeichnen. Dann erst kam die Erzählebene dazu. Sie besteht aus Figuren, Tieren, Wörtern, Zahlen, Buchstaben oder Objekten. Seinen Namen und Geburtsort Mannswörth fügt er auch oft hinzu.
Rudolf Horacek wurde 1915 in Mannswörth geboren. Er arbeitete als Gärtnergehilfe und kam mit 24 Jahren in die „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Ab 1981 lebte er im „Haus der Künstler“ und starb dort im Jahr 1986.
-
In seinen Bildern zeichnete Franz Kernbeis bekannte Objekte und veränderte diese mit seiner eigenen Bildsprache. Zuerst zeichnete er mit Bleistift die Objekte und teilte sie dann mit Querstrichen in kleine Flächen. Die Bilder wirken daher dreidimensional. Das wird durch die Farben, die er verwendete, noch verstärkt. Es entstanden bauchige und runde Flächen.
Die Objekte erinnern an etwas anderes, das uns ebenfalls vertraut vorkommt. So erscheint das Bekannte in einer neuen, aber trotzdem vertrauten Form. Durch die schwungvollen Zeichenstriche sehen die Bilder sehr bewegt aus.
Zum Beispiel wirken die Fahrzeuge, als würden sie schnell an uns vorbeiziehen.
Franz Kernbeis schrieb auf seine Bilder immer Titel, Namen und Datum. Der Titel wurde oft mit Rechtschreibfehlern geschrieben und auch die Schreibweise des Datums ist speziell. Seit 2000 schrieb Franz Kernbeis die Jahre so: 2000.1, 2000.2, …
Durch seine Arbeit am Hof der Eltern zeichnete er viele Pflanzen, Tiere und Fahrzeuge aus der Landwirtschaft. Der Pflug war auch der erste Titel für die Ausstellung im Jahr 2006, die das neue museum gugging eröffnete. In Franz Kernbeis Rechtschreibung wurde der Pflug zum „blug“.
Franz Kernbeis wurde 1935 in Prigglitz, Neunkirchen geboren. Er arbeitete als landwirtschaftlicher Hilfsarbeiter am Hof seiner Eltern. Im Jahr 1955 kam er in die „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Ab den 1960er Jahren begann er zu zeichnen. Im Jahr 1981 zog er ins „Haus der Künstler“. Dort starb er im Jahr 2019.
-
Der Mittelpunkt von Leonhard Finks Arbeiten sind seine aufwändig gestalteten Landkarten. Es sind Bleistift-zeichnungen, die Länder, Regionen und Städte zeigen.
Er skizziert geografische Begebenheiten. Zum Beispiel Berge, Seen, Straßen, Kirchen, Türme, öffentliche Einrichtungen, Brücken, Tunnels oder Züge. Diese werden zwei- und dreidimensional und mit verzerrtem Blickwinkel dargestellt.
Einmal sind sie von oben, einmal von vorne oder von der Seite zu sehen.
Leonhard Fink verwendet seinen eigenen Größenmaßstab. Je nach Wichtigkeit zeichnet er die Dinge größer oder kleiner.
Besonders wichtig sind Straßen mit Autos. Sie ziehen sich wie ein Spinnennetz durch das gesamte Bild. Die Berge, Seen und Orte werden benannt. Auch fantastische Welten sind Teil seiner künstlerischen Arbeiten. Zum Beispiel im Bild „THE ANIMAL OF UNIQUE HORN WAS BORN IN THE TOWN HORN” (2018).
Leonhard Fink wurde 1982 geboren. Er wuchs in Weidling bei Klosterneuburg auf. Sein Vater war Geograf und Geologe.
Auch Leonhard Fink interessierte sich für Landkarten.Mit 17 Jahren entstanden seine ersten Zeichnungen, die sein künstlerisches Talent zeigten. Von 2001 bis 2020 besuchte er regelmäßig das atelier gugging. Dort fand er bald zu seiner eigenen, sehr aussagekräftigen Ausdrucksform.
-
Im Mittelpunkt seiner künstlerischen Arbeit stand die menschliche Figur. Obwohl sein künstlerisches Talent erst in den 1980er Jahren entdeckt wurde, zeichnete er seit den 1960er Jahren.
Er zeichnete ungewöhnlich wirkende durchsichtige Figuren, in denen man die inneren Organe sehen kann. Herz, Rippen, Darm und Geschlechtsorgane sind klar zu erkennen. Die Köpfe haben sehr viel mehr Zähne als üblich und sehr viele Haare.
Mit der Zeit zeichnete er auch alltägliche Ereignisse. Zum Beispiel im Bild „Fußballspiel“ (1983).
Ab den 1980er Jahren und in den 1990er Jahren wird Farbe immer wichtiger in seinen Bildern. Die menschlichen Figuren und Mischwesen, die wie Geister aussehen, bleiben gleich.
Er beginnt sie nun mit Farbstiften, Wachskreiden und Kohle zu überzeichnen. Dabei bekommen die Bilder räumliche Tiefe und eine starke Dynamik. Es entstanden große Bilder mit Farbschichten, die auch gegenstandslos wurden.
Philipp Schöpke wurde 1921 in Erlach, Niederösterreich geboren. Im Jahr 1956 kam er in die „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Ab 1981 lebte er im „Haus der Künstler“ und starb dort im Jahr 1998.
-
Die Geschichte von Gugging zeigt nicht nur, wie sich die Kunstwerke der Patient*innen entwickelt haben, sondern auch die sozialen Umstände der Zeit. Auch die Situation von Menschen, die in Einrichtungen lebten, wird sichtbar. Sehr auffällig ist, dass am Anfang nur Männer als Künstler sichtbar waren. Das entspricht dem Bild, das auch in der Kunstszene vorherrschend war.
Der Psychiater Leo Navratil führte in den 1950er Jahren das Zeichnen als diagnostische Methode ein. Es half ihm, die Situation der Patient*innen besser zu erkennen. Patient*innen, die künstlerisch begabt waren, wurden gefördert. Er leitete die Männerstation und arbeitete daher fast nur mit Männern.
Patientinnen zeichneten zwar auch, aber das wurde nicht als künstlerischer Ausdruck verstanden. Erst durch die Psychiaterin und Ehefrau von Leo Navratil, Erna Navratil, wurden die Zeichnungen der Patientinnen sichtbarer.
Die ersten Künstlerinnen aus Gugging waren zum Beispiel Karoline Rosskopf und Emma Brosch. Sie hatten eine sehr eigenständige Bildsprache. Die Kunstwerke der beiden sind sehr wichtig, da es die ersten Kunstwerke von Patientinnen in Gugging sind.
Karoline Rosskopf
Sie wurde im Jahr 1911 geboren. Sie machte kleine vereinfachte und geometrische Zeichnungen. In ihren Zeichnungen sind menschliche Figuren der Mittelpunkt.Emma Brosch
Sie wurde im Jahr 1900 geboren. In ihren Zeichnungen verband sie Figuren und handschriftliche Texte. Texte und Zeichnungen lassen vermutlich autobiografische Elemente erkennen.Spätere Künstlerinnen sind Barbara Demlczuk und Laila Bachtiar.
Barbara Demlczuk
Sie wurde im Jahr 1945 geboren. Demlczuk malte Bilder mit viel Fantasie. Manche ihrer Bilder sehen ein bisschen traumhaft oder ungewöhnlich aus.Laila Bachtiar
Sie wurde im Jahr 1971 geboren. Bachtiar ist sehr wichtig für die Kunst aus Gugging. Sie ist die einzige Frau dort, die ein umfangreiches Werk gestaltet hat. Dadurch zeigt sie, dass auch Frauen in der Gugginger Kunst eine wichtige Rolle spielen. In einer Kunstwelt, die noch immer stark von Männern bestimmt ist, ist sie eine wichtige Vorreiterin.Im nächsten Raum sehen Sie mehr Kunstwerke von Laila Bachtiar.
-
Auch in der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ wurden während der Nationalsozialisten schwere Verbrechen begangen. Auch manche Gugginger Künstler*innen waren von der Gewalt und Grausamkeit der Nationalsozialsten betroffen. Josef Bachler war zum Beispiel von 1938 bis 1945 im Konzentrationslager Dachau.
Von 1939 bis 1941 gab es die sogenannte „Aktion T4“. In sechs Tötungsanstalten wurden mehr als 70 000 Menschen vergast. Schloss Hartheim war eine davon. Aus der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ wurden 675 Menschen nach Schloss Hartheim gebracht und ermordet. Darunter waren auch Kinder und Jugendliche.
Nach dem Stopp der Vergasungen im August 1941 gingen die Morde aber weiter. Jetzt ermordete man die Menschen direkt in den psychiatrischen Einrichtungen. Diese Phase nennen wir heute „dezentrale Euthanasie“. Euthanasie bedeutet eigentlich Sterbehilfe. Die Nationalsozialisten wollten den Menschen aber keinen „schönen Tod schenken“, sondern haben sie ermordet. Sie glaubten, dass bestimmte Menschen weniger wert sind und deshalb den Tod verdienen. Es sollten nur solche Menschen übrigbleiben, die sie für lebenswert hielten.
Zwischen 1941 und 1945 wurden viele Verbrechen in der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“ begangen. Die Versorgung war schlecht, die Menschen hungerten, wurden krank und starben sehr oft.
Ab 1943 tötete der Arzt Emil Gelny mehrere 100 Patient*innen. Er gab ihnen Gift, verschrieb zu hohe Dosen Medikamente und verwendete ein elektrisches Tötungsgerät. Damit ermordete er die Patient*innen mit Stromstößen. Emil Gelny hat 360 Tötungen bewilligt. Das sind zumindest die, die aufgeschrieben wurden.
Die Zahl ist wahrscheinlich viel höher. Auch der Leiter Rudolf Lonauer von der Tötungsanstalt Hartheim ermordete während einem Besuch in Gugging an die 100 Personen.
Aus der Kinderabteilung in Gugging wurden 175 Kinder und Jugendliche an den „Spiegelgrund“ in Wien gebracht. Es war eine Einrichtung für sogenannte „Kindereuthanasie“. Mindestens 98 von ihnen wurden dort ermordet.
Die Zeit der Nationalsozialisten war die grausamste Zeit in Österreich und muss erinnert werden, damit die Menschen, die ermordet wurden, nicht vergessen werden. Wir sind verantwortlich für diese Erinnerungskultur.
-
Schon in den frühen Arbeiten von Johann Korec kommt das Thema Erotik zum Vorschein. Liebespaare und erotische Szenen sind auf den Bildern zu sehen. Aber auch der Zirkus war ein wichtiges Thema für Johann Korec. Seine Erinnerungen an den Krieg zeigen sich als Soldaten, Panzer und Kriegswaffen in den Bildern.
Johann Korec entwickelte eine eigene Art zu zeichnen. Zuerst sammelte er Bilder aus Zeitungen, die ihm gefallen haben und hob sie auf. Wenn er zeichnete, kopierte er bestimmte Szenen aus diesen Zeitungen aufs Papier.
Die Strichführung ist flüchtig und er veränderte teilweise auch die Kopie. Ganz neue Szenen sind dabei entstanden.
Die Umrisse zog er mit Tinte, Tusche und Kugelschreiber nach und füllte sie dann mit Aquarell- und Deckfarben. Ab den 1980er Jahren zeichnete er ohne Kopien. Die Umrisse blieben aber.
In fast allen Bildern finden sich Texte. Diese Texte waren ihm genauso wichtig wie die Zeichnungen. Die beiden Bereiche, Zeichnung und Text, sind ein Merkmal für seine Kunstwerke.
Johann Korec wurde 1937 in Wien geboren. Nach dem Krieg arbeitete er als Knecht auf einem Bauernhof. 1958 kam er in die „Heil- und Pflegeanstalt“ in Gugging. In den 1960er Jahren begann er künstlerisch zu arbeiten. Bis zu seinem Tod 2008 lebte er im „Haus der Künstler“.
-
Laila Bachtiar zeichnet entweder in Farbe oder in Schwarz. Beide Stile sind eng miteinander verbunden, weil sie den gleichen Ausgangspunkt haben: ein Gerüst mit Linien.
Laila Bachtiars Zeichnungen wurden mit den Jahren immer dichter. Zu Beginn waren die Bleistiftlinien noch erkennbar. Ab 2003 wurden sie immer mehr bearbeitet und verschwanden dadurch. Das Gemalte füllt oft den ganzen Bildraum aus. Durch die Farbgebung von Schwarz bis Hellgrau wirkt das Bild dynamisch und voller Spannung. Diese Bilder sind besonders ausdrucksstark. Laila Bachtiars Hauptthema ist die Tierwelt. Es sind heimische Tiere, zum Beispiel Katzen, Enten und Hasen und exotische Tiere, zum Beispiel ein Zebra oder eine Kreuzspinne. Menschen sind meistens von vorne zu sehen. Auch die Natur und Gegenstände finden sich in ihren Bildern. Die Künstlerin unterschreibt ihre Werke mit ihrem Vornamen. Diesen schreibt sie in Großbuchstaben und schreibt Zahlen dazu. Die Zahlen sind aber nicht das Datum. Es sind Zahlencodes, die nur sie selber kennt und etwas ganz Persönliches sind.
Laila Bachtiar wurde 1971 in Wien in eine musikalische Familie geboren. Ihre Mutter war Cellistin und ihr Vater studierte Gesang, Trompete und Klavier. Anfang der 90er-Jahre besuchte sie öfter das „Haus der Künstler“. Dort war sie die erste Künstlerin, die im Haus untertags künstlerisch arbeitete. Seit 2003 arbeitet sie im atelier gugging.
-
Oswald Tschirtners Werke sind minimalistisch.
Sein bekanntestes Motiv ist der Kopffüßler ohne Geschlecht. Es zeigt einen Menschen mit sehr geschrumpftem Rumpf und vier sehr langen Gliedmaßen.
Die meisten Werke von ihm sind kleine Tuschzeichnungen auf weißem Papier. Ab 1980 malte er auch größere Bilder. Er benutzte vor allem Permanentmarker, zuerst auf Papier und dann auf Leinwand. Manche Werke hat er mit Farben überarbeitet.
Auf seinen Bildern finden sich einfache Objekte, zum Beispiel Kleidungsstücke, Gebrauchsgegenstände oder Pflanzen und Tiere. Sie alle sind sehr aussagekräftig gezeichnet worden.
Die Formen der Objekte sind oftmals nur angedeutet und fast gegenstandslos. Zum Beispiel zeichnete Oswald Tschirtner ein Taschentuch als Quadrat mit vier Linien. Man erkennt das Taschentuch nur, weil das Bild den Titel „Taschentuch“ hat. Die Titel stehen bei fast allen Bildern am oberen Bildrand.
Oswald Tschirtner wurde 1920 in Perchtoldsdorf geboren. Ab 1971 begann er mit seiner künstlerischen Arbeit. Im Jahr 1981 zog er ins „Haus der Künstler“ und starb dort 2007. Oswald Tschirtner war ein sehr anerkannter und erfolgreicher Künstler.
-
Im Mittelpunkt der Werke von Franz Kamlander stehen Tierdarstellungen. Meistens sind die Tiere von der Seite gezeichnet und mit wenigen Farben gemalt. Viele Bilder sind einfärbig und mit Bleistift oder schwarzen Farbstiften gezeichnet. Sein wichtigstes Motiv ist die Kuh, die er hunderte Male zeichnete. Zum Beispiel in Lila, Gelb und Rot. Die Kuh wurde zu seinem Erkennungsmerkmal.
Am Anfang zeichnete Franz Kamlander auch Menschen, die aber sehr reduziert dargestellt sind. Vor allem malte er Frauen, die entweder nackt sind oder verschiedene Kleidung und Frisuren tragen. Ein weiteres Merkmal seiner Bilder sind drei wellenförmige, parallele Linien. Diese sind für Franz Kamlander eine Art Unterschrift und markieren seine Bilder. Franz Kamlander wurde 1920 in Hainburg geboren. Er wuchs auf einem Bauernhof auf. Ab 1981 lebte er im „Haus der Künstler“ in Gugging und starb dort im Jahr 1999.
-
Arnold Schmidt arbeitet viel mit Darstellungen von Figuren. Seine Kunstwerke sind sehr einheitlich, sein Schaffen ist aber sehr umfangreich. Die Figuren werden mit Farbstiften, Kohle, Wachskreiden und Acrylfarben gemalt. Am Beginn auf Papier und ab den 1980er Jahren auch auf Leinwand.
Arnold Schmidt arbeitet vor allem mit dem Kreis. Er zeichnet die Kreise mit über- und nebeneinandergereihten kreisförmigen Strichen, mit viel Farbe. Aus diesen Kreisen formt er seine Figuren. Oberkörper, Arme, Beine und Gesicht bestehen aus diesen Kreisen. Im Laufe der Jahre werden die Werke immer ausdrucksstärker und es kommen neue Motive dazu. Zum Beispiel Vögel, Fahrräder und Flugzeuge.Die meisten Figuren stehen alleine, zu zweit oder zu dritt in einer Reihe. Sie haben kein Geschlecht. Frauenfiguren findet man nur manchmal, sie haben lange Haare.
Arnold Schmidt wurde 1959 in Wiener Neustadt geboren. Seit 1986 lebte er im „Haus der Künstler“ in Gugging. Er besuchte regelmäßig das atelier gugging, wo auch fast alle seine Kunstwerke entstehen.
-
Jean Dubuffet und Leo Navratil haben sich zwischen 1966 und 1984 viele Briefe geschrieben. Diese Briefe sind heute sehr wichtig für die Geschichte der Gugginger Kunst. Zum ersten Mal werden sie jetzt genau untersucht und in einer Ausstellung gezeigt. In ungefähr vierzig Briefen erfährt man, wie sich Dubuffet und Navratil langsam angenähert haben. Man erfährt auch, wie die Kunst aus Gugging in dieser Zeit bekannter wurde – sogar weltweit.
Jean Dubuffet interessierte sich früh, ab 1966, für die Kunst von Patient*innen in der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Besonders mochte er die Werke von Johann Hauser. Am Anfang hatten Jean Dubuffet und Leo Navratil unterschiedliche Meinungen:
Jean Dubuffet war der Meinung, dass Kunst ganz frei entstehen soll, ohne Einfluss von Therapie, ohne Einfluss von außen. Für ihn war Art Brut eine Kunst, die spontan entsteht.
Leo Navratil stand zwischen zwei Bereichen: der psychiatrischen Forschung und der Kunst. Ab Mitte der 1970er-Jahre änderte sich das. Michel Thévoz half bei der Veränderung. Er war Direktor der „Collection de l’Art Brut“. Es begann eine enge Zusammenarbeit zwischen ihm und Leo Navratil: Viele Zeichnungen aus Gugging wurden gekauft oder verschenkt, Ausstellungen wurden geplant, und ein eigenes Heft über die Gugginger Künstler*innen erschien. So entstand eine der wichtigsten Werkgruppen der Gugginger Kunst in der „Collection de l’Art Brut“.
Der Briefwechsel zeigt nicht nur Meinungsunterschiede. Er zeigt auch, wie die beiden Männer immer mehr Respekt füreinander entwickelten. Am Ende hatten Jean Dubuffet und Leo Navratil ein gemeinsames Ziel: Sie wollten die besondere Kreativität der Gugginger Künstler*innen bewahren.
Jean Dubuffet (1901–1985) war ein sehr wichtiger Künstler des 20. Jahrhunderts. Er gilt als der wichtigste Wegbereiter der Art Brut. Er suchte nach Kunst, die nicht den Regeln der herkömmlichen Kunst folgt. Ab den 1940er-Jahren interessierte er sich für Ausdrucksformen, die außerhalb dieser herkömmlichen Kunstwelt entstanden. 1949 veröffentlichte er sein Manifest mit dem Titel „Art Brut: Vorzüge gegenüber der kulturellen Kunst“. Darin erklärte er eine neue Idee: Kunst soll aus dem Inneren der Künstler*innen kommen, roh, frei und ohne Einfluss der Kultur. Für Dubuffet war Art Brut das Gegenteil der angesehenen Kunstwelt. Es ging ihm nicht um Anpassung oder Nachahmung.Leo Navratil (1921–2006) war ein österreichischer Psychiater und eine wichtige Person für die Entwicklung der Gugginger Künstler*innen. Ab den 1950er-Jahren arbeitete er in der „Heil- und Pflegeanstalt Gugging“. Er begann die künstlerischen Arbeiten der Patient*innen zu fördern. Leo Navratiler kannte den eigenständigen künstlerischen Wert der Arbeiten. Im Jahr 1981 gründete er das „Zentrum für Kunst- und Psychotherapie“. Seit 1986 heißt es „Haus der Künstler“. Dort arbeiten und leben die Gugginger Künstler*innen. Ab Mitte der 1960er-Jahre machte er mit den Kunstwerken Ausstellungen und Veröffentlichungen. Leo Navratil sah die Kunst seiner Patient*innen nie abgelöst von deren psychischen Voraussetzungen oder Erkrankungen. Er stand damit im Widerspruch zu Jean Dubuffet.
-
Leopold Strobls Werke zeigen vor allem Landschaften und Orte. Auch Bauwerke, Kirchen und typische Kellergassen aus Niederösterreich sind auf den Bildern zu sehen. Meistens sind keine Menschen auf den Bildern. Wenn man aber genau hinsieht, sieht man durch die schwarz verdeckten Flächen oftmals Figuren durchscheinen. Die Bilder sehen aus wie Schatten aus der Vergangenheit.
Leopold Strobl überzeichnet kleine Abbildungen, die er aus Zeitungen ausschneidet. Mit schwarzen, grünen und gelben Farbstiften zeichnet er über diese Bildausschnitte.
Mit schwarzen Farbstiften überdeckt er Personen, Fahrzeuge oder Tiere. Der Himmel ist sehr wichtig in Leopold Strobls Werken und wird Grün übermalt. Die anderen Bildelemente werden mit Gelb übermalt.
In der Bildmitte oder am Bildrand befindet sich sehr oft eine Erhebung. Sie ist mit schwarzen Farbstiften gezeichnet und sehr wichtig für den gläubigen Künstler. Diese Erhebungen strecken sich zu Gott und sind das „religiöse Streben nach oben“.
Leopold Strobl wurde 1960 in Mistelbach geboren. Schon als Kind hat er künstlerisch gearbeitet. Seit 2002 besuchte er das atelier gugging, in den ersten Jahren beinahe täglich.
Seit ungefähr 2019 arbeitet er an seinen beiden Wohnsitzen Poysdorf und Kritzendorf. Werke von Leopold Strobl wurden in der Hauptausstellung der 60. Internationalen Kunstausstellung „La Biennale di Venezia“ ausgestellt.
-
Josef Bachlers Zeichnungen sind sehr stark reduziert. Mit wenigen, klaren Linien zeichnete er seine Figuren. Die Werke wirken abgeschlossen und es zeigt sich keine Erwartung auf Fortsetzung.
Josef Bachler hat aus der Erinnerung und mit Vorlagen gezeichnet. Meistens auf kleinen Zeichenblättern mit Bleistift. Alles in seinen Zeichnungen ist sehr genau. Farbstifte hat er nur sehr wenig verwendet. Zum Beispiel um die Figuren mit einer farbigen Linie einzurahmen oder um die Figuren zu markieren. Ganz selten sieht man ausgefüllte farbige Flächen.
Josef Bachler wurde 1914 in Wien geboren und wuchs in einem Waisenhaus auf. Er arbeitete als Dachdecker.
Im Jahr 1938, während des Nationalsozialismus kam er ins Konzentrationslager Dachau. Erst im Jahr 1945 wurde er befreit. Nach dem Krieg arbeitete er wieder als Dachdecker und heiratete. Im Jahr 1970 kam Josef Bachler in die psychiatrische Einrichtung in Gugging und lebte dort bis zu seinem Tod im Jahr 1979.
-
In seinen Zeichnungen entwickelt Günther Schützenhöfer eine einzigartige Verdichtung von Form und Fläche.
Mit Bleistift und Farbstiften malt er Fahrzeuge, Fluggeräte, Tiere und Alltagsgegenstände wie Vasen oder Besen.
Sein Blick ist dabei immer sehr konzentriert auf einen bestimmten Teil. Seine Strichführung ist sehr genau und rhythmisch. Zum Beispiel gibt es Linien mit Hell-Dunkel-Kontrasten. Es sieht so aus, als würden sie vibrieren.
Die Farbe setzt er manchmal nur an bestimmten Stellen.
Günther Schützenhöfer wurde 1965 in Mödling geboren. Als Kind und Jugendlicher wohnte er in verschiedenen Heimen. Viele Jahre davon lebte er im ehemaligen „Kinderhaus“ der psychiatrischen Einrichtung in Gugging. Heute ist in den Räumlichkeiten das museum gugging.
Nachdem er in Niederösterreich an verschiedenen Orten untergebracht war, kam er nach Gugging zurück. 1999 wurde sein künstlerisches Talent entdeckt. Er wohnt im „Haus der Künstler“.
-
Heinrich Reisenbauers künstlerische Arbeit dauerte beinahe 40 Jahre. 1986 sind die ersten Zeichnungen entstanden. Schon hier konnte man seinen Stil erkennen.
Ab 1989 entstanden die ersten Bilder mit wiederholenden gleichen Objekten. Meistens waren es Alltagsgegenstände. Zum Beispiel Regenschirme, Tische, Blumen oder Äpfel.
Am Anfang entstanden kleine Bilder auf weißem Papier. Heinrich Reisenbauer zeichnete hier vor allem mit Blei- und Farbstiften. In den 1990er Jahren entstanden dann auch größere Papierarbeiten. Ab Anfang 2000 malte er dann große Bilder auf Leinwand mit Edding und Acrylfarben.
Alle Bilder sind einheitlich gestaltet. Mit einer schwarzen Umrisslinie wird das Motiv auf weißem Hintergrund gezeichnet. Danach wird es mit einer oder mehreren Farben ausgefüllt. Zumeist sind die Bilder aber einfärbig, in Gelb, Rot, Blau und Grün. Mit senkrechten und waagrechten Wiederholungen von Motiven gestaltet Heinrich Reisenbauer Reihen, die sehr eindringlich wirken.
Heinrich Reisenbauer wurde 1938 in der Nähe von Wiener Neustadt geboren. Er wuchs auf einem Bauernhof auf.Er besuchte das Gymnasium. Ab 1956 lebte er in der damaligen „Heil- und Pflegeanstalt“ in Gugging. Im Jahr 1986 zog er in das „Haus der Künstler“. Dort starb er im Jahr 2025.
-
Unter den Gugginger Künstler*innen befinden sich auch Dichter*innen und Schriftsteller*innen. Besonders wichtig sind hier Ernst Herbeck und Edmund Mach.
Edmund Mach (1929 – 1996) schrieb über Armut, Familie, Enttäuschungen und große Sehnsüchte. Besonders wichtig war Amerika für ihn. Amerika war sein Sehnsuchtsort, den er mit Freiheit, Neubeginn und einem anderen Leben verband. Ungewöhnliche Fremdwörter, überzeichnete Details, erfundene Wörter und schräge Einfälle machen seine Texte interessant und einzigartig.
Seine Lyrik blieb lange unsichtbar, während Texte von seinem Kollegen Ernst Herbeck viel Aufmerksamkeit bekamen. Ab 1976 wurden einzelne Texte von ihm veröffentlicht. Am Beginn verwendete er die Namen „Otto“ oder „Aloisius Schnedel“ statt seinen Namen. 1982 erschien sein erstes Buch mit dem Titel „Buchstaben Florenz“.
Edmund Mach wurde 1929 in Wien geboren. Nach dem Krieg studierte er Geschichte und Englisch. Er machte das Studium aber nicht fertig. Ende der 1950er Jahre kam er nach Gugging. Nachdem er Kontakt zu Leo Navratil hatte, begann er zu schreiben. Ab 1984 lebte er im „Haus der Künstler“ in Gugging. 1996 erfüllte er sich seinen großen Traum und reiste nach Amerika, nach New York. Dort starb er auch, kurz nach seinem 67. Geburtstag.
Ernst Herbeck (1920 – 1991) ist der bekannteste Dichter von den Gugginger Künstler*innen. In seinen Texten ist eine innere, eigenwillige Logik. Sie ist rätselhaft, humorvoll und auch berührend. Viele Gedichte erscheinen wie Traumstücke. Sie sind voller Bilder, Sprünge und unerwarteter Wendungen. Die Leser*innen werden aufgefordert, gewohnte Denkmuster zu verlassen. Ernst Herbeck wurde mit einer Sprechbehinderung geboren. Er selbst nannte seinen Mund: „disqualifizierter Mund“. Seine Stimme fand er in der Schrift.
1966 erschien sein erster Gedichtband mit dem Titel „Schizophrenie und Sprache“ mit 83 Gedichten. Er verwendete oft nicht seinen Namen, sondern den Namen „Alexander“. Viele Leser*innen erkannten sofort die Kraft seiner Sprache. 1978 wurde er Mitglied der Grazer Autorenversammlung. Autor*innen wie Gerhard Roth oder W. G. Sebald besuchten ihn in Gugging. Auch heute ist Ernst Herbeck Teil der österreichischen Literatur. Neben dem Schreiben zeichnete Ernst Herbeck auch. Die meisten Zeichnungen sind in Postkartenformat und zeigen Gegenstände oder Tiere. Sie sind in den 1970er Jahren entstanden.
-
Eine Pareidolie ist eine Wahrnehmung des Gehirns. Man glaubt, dass man bekannte Gegenstände oder Wesen erkennt. Zum Beispiel sieht man in einer Baumrinde ein Gesicht von einem Menschen.
Die Ausstellung mit dem Titel „Pareidolien“ wurde im Jahr 1970 gezeigt. Sie ist eine sehr wichtige Ausstellung in der Geschichte der Kunst aus Gugging. Vor allem, was die Druckgrafik betrifft. Eine Druckgrafik wird nicht gezeichnet oder gemalt, sondern wird mit verschiedenen Techniken gedruckt. Ab dem Jahr 1968 sind Radierungen entstanden. Bei Radierungen ritzt man Formen und Linien in die Oberfläche, die dann beim Druck sichtbar werden. Der Künstler Peter Pongratz unterstützte die Patient*innen bei der technischen Arbeit. Er ließ die Patient*innen aber künstlerisch frei arbeiten.
Durch die Druckgrafiken konnten die Patient*innen ihre Kunstwerke vervielfältigen und im Jahr 1969 wurde eine Grafikmappe heraus-gegeben.
Im Jahr 1970 zeigte die Galerie St. Stephan in Wien zum ersten Mal diese Radierungen in einer Ausstellung mit dem Titel „Pareidolien“. Die Ausstellung war vom 29. September bis 25. Oktober 1970 zu sehen. Später wurde die Ausstellung auch in Solbad Hall in Tirol gezeigt.
In der Ausstellung konnte man 84 Kunstwerke von 14 Künstler*innen aus Gugging sehen. Es war das erste Mal, dass die Künstler*innen ihre richtigen Namen verwendeten. Das war für Leo Navratil sehr wichtig. Es war für ihn ein Zeichen für soziale Rehabilitation, also der wiedererlangten Teilhabe der Patient*innen in der Gesellschaft.
Die Preise für die Kunstwerke waren nicht zu hoch und die Ausstellung professionell. Deshalb wurde sie ein großer Erfolg und es wurden ca. 500 Radierungen verkauft. So kaufte auch das Museum „Albertina“ einige Kunstwerke.
Radierungen sind noch immer eine wichtige Kunsttechnik in Gugging. Der Verein gugging friends und die galerie gugging bringen gemeinsam mit den Künstler*innen regelmäßig neue Radierungen heraus.
-
Jürgen Tauscher arbeitet vor allem mit Blei- und mit Farb-stiften. Selten malt er mit Wachskreiden oder Acrylfarbe. Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen technische Objekte,
vor allem Flugobjekte. Zum Beispiel Hubschrauber, Flugzeuge, Kampfjets, Zeppeline oder das Raumschiff „Enterprise“ aus der US-amerikanischen Science-Fiction-Fernsehserie „Star Trek“. Die Objekte sind meistens in der Mitte des Bildes. Bei manchen zeichnet er technische Details, die entweder klar sichtbar sind oder nur angedeutet werden.
Auch Motorräder, Schiffe oder stark vereinfachte Formen aus der Architektur finden sich in seinen Arbeiten. Oft zeichnet er mehrere Objekte in einem Bild. Dabei hebt er technische Details hervor oder zeichnet Landkarten in das Bild. Sie zeigen, wie die Objekte mit dem Bild verbunden sind. In manchen Bildern verwendet er Text. Die Texte zeichnet er von Vorlagen ab.
Jürgen Tauscher arbeitet wie ein Techniker. Er malt seine Zeichnungen Schritt für Schritt. Er beginnt von innen nach außen. Oft übermalt er Details wieder, die dann nicht mehr sichtbar sind. Das macht er auch bei seinen dreidimensionalen Objekten. Viele von seinen Ideen hat er aus Sachbüchern über Flug- und Fahrzeuge.
Jürgen Tauscher wurde 1974 in Wien geboren. Kurz lebte er in Klosterneuburg, wo sein künstlerisches Talent entdeckt wurde. Nachdem er öfter das atelier gugging besucht hatte, zog er 2012 ins „Haus der Künstler“ in Gugging ein.
-
Im Mittelpunkt der Werke von Karl Vondal stehen erotische Fantasien. Er ist der Regisseur und gestaltet die Szenen.
Die Bilder sind Collagen aus zusammengeklebten Papieren und selbstgezeichneten ausgeschnittenen Motiven.
Die meisten Arbeiten von Karl Vondal sind eine Mischung von Bild und Text. Der Text wird in das Bild eingearbeitet.
Die Hauptszene ist im Mittelpunkt vom Bild. Darum herum sind kleinere Darstellungen und Texte. Viele Symbole, zum Beispiel Blumen und Herzen sind auf den Werken zu finden.
Prinz Karl ist das Alter Ego vom Künstler. Er erscheint immer wieder in den Werken und stellt biografische Erlebnisse dar. Diese werden ergänzt und erweitert. Prinz Karl ist Liebhaber, Ehemann, Ingenieur und vieles mehr. Er hat eine Liebes-beziehung mit der sogenannten „Sexbompe“. Die „Sexbompe“ ist eine Frau mit großen Brüsten und blonden langen Haaren.
Sie ist also ein Stereotyp. Die „Sexbompe“ ist jedoch jungfräulich, jung und schwanger. Das kann man aus den Texten der Bilder herauslesen. Die Texte zeigen ein weiteres Thema, das hinter den Bildern liegt. Es geht um Sehnsüchte des Künstlers.
Karl Vondal wurde 1953 in Obersiebenbrunn geboren. In den 1980er-Jahren entdeckte man sein künstlerisches Talent. Im Jahr 2002 zog er in das „Haus der Künstler“ und arbeitete seit dem im atelier gugging. Im Jahr 2024 starb er im „Haus der Künstler“.
-
Die Gedankenwelt von Franz Artenjak war sehr mystisch.
Sie war der Ausgangspunkt für seine Welterkenntnis. Er schuf eine eigene Kosmologie. Sie war mit seinen spirituellen Einsichten und seiner eigenen Lehre der Seelenwanderung verbunden. In seinen Briefen schrieb er darüber. Er nannte seine Eingebungen Momente des „Klarsehens“. Er konnte sich selbst nicht erklären, woher diese kamen.
Er interessierte sich sehr für Astrologie und entwickelte ein aufwendiges kosmologisches Modell. Für ihn bestand das Sonnensystem aus 15 Sonnensystemen. Fünf davon sind „verschleiert“ und eine verborgene Ebene des Daseins.
Er sprach auch vom ewigen Leben, das ein langer Prozess des Erwachens ist. Zahlen spielten auch eine sehr wichtige Rolle in seinem Denken. Ganz besonders die Null, die für ihn die höchste Zahl war.
Seine Zeichnungen erinnern oft an Land- oder Sternenkarten. Text und Bild sind eng miteinander verbunden. Er zeichnete mit Blei- und Farbstiften dichte und detailreiche Bilder. Sie wirken wie Karten einer inneren Welt.
Franz Artenjak wurde 1920 in Südtirol geboren. Von 1970 bis 1983 war er Teil der Ausstellungen der Gugginger Künstler*innen. Im Jahr 1985 starb er in Gugging.
-
2026 wäre August Walla (1936–2001) 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund zeigen wir hier Kunstwerke aus seinem künstlerischen Schaffen.
Als August Wallas Großmutter starb, hatte er große Angst auch seine Mutter zu verlieren. Die Angst vor dem Tod zeichnete er in seine Bilder. Der christliche Zugang der Ewigkeit nach dem Tod wird sehr wichtig für August Walla. Denn alle, die sterben, gehen in diese Ewigkeit ein. Für ihn gab es auch noch das „Ewigkeitsende“. Also etwas Neues, das nach der Ewigkeit kommt. Das Ende der Ewigkeit spielte eine große Rolle in seinen Werken. Die Wörter
„Ewigkeitsende“ und „Weltallende“ kommen immer wieder in seinen Bildern vor. August Walla schuf sich ein eigenes mythologisches Universum, das „Ewigkeitenendeland“. Es besteht aus einer eigenen Sprache und vielen Götterwelten. Der „Ewigkeitsgott Sattus“ beschützt die Menschen. August Walla hoffte, dass die Freundschaft mit Sattus ihn vor dem Todesgott beschützt.
August Walla nahm sein Geschlecht verschieden wahr. Während der Zeit der Nationalsozialisten war er ein „Nazimädchen“.
Während der russischen Besetzung wurde er durch eine Operation zu einem „Kommunistendoppelknaben“. In seinen Bildern verwendete er politische Zeichen für diese Geschlechtsumwandlung. Zum Beispiel steht das links gedrehte Hakenkreuz für Weiblichkeit. Hammer und Sichel stehen für Männlichkeit.
August Walla wurde am 22. Juni 1936 in Klosterneuburg geboren. Er wuchs bei seiner Mutter Aloisia und seiner Großmutter Rosina auf. Bis zum Jahr 1983 lebten Walla und seine Mutter in verschiedenen Wohnungen in Klosterneuburg. Dort malte er seine ersten Kunstwerke. 1983 zogen August Walla und seine Mutter in das „Haus der Künstler“ in Gugging. Dort bemalte er mit seinen Figuren, Schriften und Symbolen sein Zimmer von den Wänden bis zur Decke. August Walla starb im Jahr 2001.
-
2026 wäre Johann Hauser (1926–1996) 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund würdigen wir sein künstlerisches Schaffen.
Ende der 50er-Jahre begann Johann Hauser zu zeichnen. Motiviert dazu haben ihn Leo Navratil und sein Mitpatient Aurel Iselstöger. Iselstögers Flugzeugdarstellungen beeinflussten ihn besonders stark.
Schon in seinen frühen Kunstwerken werden seine Themen und sein Stil sichtbar. Diese verfeinerte und gestaltete er immer weiter. Meistens malte er mit Blei- und Farbstiften auf Papier. Die Strichführung ist sehr stark und kraftvoll und schafft eine große Dichte. Ein sehr wichtiges Motiv ist die Darstellung nackter Frauen. Er zeichnete die sekundären Geschlechtsmerkmale sehr dominant, zum Beispiel Brüste und Schamhaare. Kampfflugzeuge, Panzer und Rettungsfahrzeuge waren auch wichtige Motive für ihn. Sie kamen von seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg.
Einzelne Motive sind immer wieder auf den Bildern zu finden. Zum Beispiel Rechtecke, Sonne, Mond, Herz und Stern.
Es gibt einen „Hauser Stern“ mit vier Spitzen und in Preußischblau ausgemalt. Dieser Stern ist ein wichtiges Symbol in Johann Hausers Werk. Der Stern wurde auch das Symbol des „Hauses der Künstler“
Johann Hauser wurde 1926 in Bratislava geboren. 1949 kam er in die „Heil- und Pflegeanstalt“ in Gugging. Im Jahr 1981 zog er in das „Haus der Künstler“ ein und starb dort 1996.
-
Die Werke von Manuel Griebler sind sehr dicht. Erinnerungen, Gedanken und innere Bilder überlagern sich darin. Es braucht Zeit, Aufmerksamkeit und Nähe, die Zeichnungen wirklich zu betrachten. Am Beginn hat man das Gefühl, dass die Bilder überfüllt sind. Nach längerem Betrachten erkennt man, dass alles sorgfältig aus Linien, Formen und Wiederholungen aufgebaut ist. Die Motive sind vertraut und fantasievoll.
Um sie herum sind viele kleine Köpfe. Die vielen Linien sind miteinander verwoben und werden zu dichten Mustern.
Am Beginn seines künstlerischen Arbeitens hat Manuel Griebler mit Bleistift und Ölkreide über das ganze Blatt gehende Gesichter gemalt. Die Striche sind wild und mehrschichtig. Dann entschloss er sich, nur mehr mit Farbstiften zu zeichnen. Er zeichnet mit hohem Druck und sehr starken Farben auf Papier. Damit entsteht eine Dichte, die fast körperlich wirkt. Jede Linie ist bewusst gezeichnet, nichts ist zufällig.
Manuel Griebler wurde 1991 in Kirchdorf geboren. Seit 2016 lebt er im „Haus der Künstler“ und arbeitet im atelier gugging.
-
Im Mittelpunkt der Arbeiten von Erich Tressler stehen Wesen, die wie Drachen aussehen. Sie haben aufgerissene Mäuler und scharfe Zähne. Ihre Körper sind wuchtig, bedrohlich und faszinierend. Die Wesen sind vereinfacht, aber voll Fantasie.
Die Körper sind unförmig und die Flächen sind mit verschiedenen Farben ausgefüllt. Die Farben sind in mehrere Schichten übereinander gemalt. Dadurch entsteht eine sehr lebendige Struktur.
Schon als Kind war Erich Tressler von Drachen fasziniert.
Vor allem die Fernsehsendung „Grisu - Der kleine Drache“ ist sehr wichtig für ihn. Bis heute ist diese Erinnerung in seinen Bildern zu sehen und motiviert seine Arbeiten. Jeder Drache von Erich Tressler ist einzigartig und hat einen eigenen Charakter.
Erich Tressler beginnt mit Bleistiftumrissen zu zeichnen.
Wenn er mit der Form zufrieden ist, füllt er sie mit Farbstiften und Wachskreide aus. Durch die dichten, starken Farben wirken die Zeichnungen wie Malereien. Die Vereinfachung und die Figuren legen sich übereinander und erzeugen eine große Spannung.
Erich Tressler wurde 1982 in Niederösterreich geboren. Seit 2010 lebt er im „Haus der Künstler“ und arbeitet im atelier gugging.
-
Die Stickstoff-Serie besteht aus zwei Teilen. In beiden Teilen gibt der Mensch die Kontrolle ab. Am Anfang steht ein Wort oder ein halber Satz. Er kommt zufällig aus dem Alltag, zum Beispiel aus dem Fernsehen oder aus Gesprächen. Das Unterbewusstsein macht daraus einen ganzen Satz. Der Mensch denkt nicht darüber nach. Der Satz klingt bekannt, aber er ist seltsam. Diese Sätze werden mit einer Nähmaschine auf alte Stoffe gestickt. Die Maschine arbeitet nicht genau. Sie macht Fehler und Knoten. Auch das ist nicht geplant. So entsteht Kunst ohne feste Kontrolle. Man sieht, was von selbst passiert. Das zeigt einen Teil von uns Menschen.
Tex Rubinowitz wurde 1961 in Hannover geboren. Seit 1984 lebt er in Wien und zeichnet Cartoons für verschiedene Zeitungen und Magazine. Er schreibt auch Texte – zum Beispiel über Kunst und Musik – und er schreibt Romane. Außerdem arbeitet er künstlerisch. Seine Werke waren schon in vielen Ausstellungen zu sehen, zum Beispiel in Wien, Hamburg, Leipzig und Hadersdorf.